Nerven mit gepulsten Energiewellen zu behandeln, könnte bei Schulterschmerzen nach einem Schlaganfall helfen. Dieser Zustand wird als hemiplegischer Schulterschmerz bezeichnet und ist einer der häufigsten Schmerzzustände bei Schlaganfallpatienten. Er wird durch eine Schädigung des Nervus suprascapularis (Überschulterblattnerv) ausgelöst.

Schmerzen direkt an der Quelle behandeln

Der Nervus suprascapularis erfüllt eine Vielzahl von Aufgaben in unserer Schulter. Gleichzeitig enthält er viele Nerven, die Schulterschmerzen auslösen. Fast 70 Prozent der Sinnesnerven in unserer Schulter sitzen im Nervus suprascapularis. Wenn diese Nerven durch Muskelverletzungen eingeklemmt werden, können sie aufgrund chronischer Schmerzen besonders empfindlich werden. Um Menschen mit chronischen Schulterschmerzen zu helfen, setzen Ärzte manchmal Medikamente ein, die die Nervensignale im Nervus suprascapularis vorübergehend blockieren.

Chronische Schmerzen ohne Medikamente behandeln

Medikamente werden in den meisten Fällen durch eine Injektion in den Nerv verabreicht. Aber es gibt vielleicht einen neuen Weg, Schmerzen zu behandeln, die vom Nervus suprascapularis ausgehen. Die sogenannte gepulste Radiofrequenztherapie nutzt hochfrequente Energiewellen, um problematische Nerven zu zerstören. Wissenschaftler glauben, dass diese chronischen Schmerz stoppen können, indem sie Schmerzfasern gezielt erhitzen. Durch die Erhitzung werden bestimmte Schmerzneuronen zerstört. Die hochfrequenten Energieströme des eingesetzten Gerätes zielen genau auf diese Nerven und veröden die Blutgefäße, die sie versorgen. Obwohl die Technologie speziell auf die Schmerzneuronen ausgerichtet ist, besteht immer die Gefahr, dass Nerven geschädigt werden, die nicht zerstört werden sollen. In diesem Fall kann die Nervenproblematik in Bezug auf Schmerz und Schulterfunktion verschlimmert werden. Glücklicherweise passiert dies nicht oft, und Ärzte beurteilen die Anwendung dieser Methode an Patienten im Allgemeinen als sehr sicher.

Können gepulste Radiowellen Schlaganfallpatienten helfen?

Forscher haben kürzlich untersucht, wie gut gepulste Radiowellen bei Schlaganfallpatienten mit hemiplegischen Schulterschmerzen wirken. Sie testeten die Prozedur an sechs chronischen Schlaganfallpatienten mit diesem Erkrankungsbild. Die Ärzte betäubten zunächst den zu behandelnden Bereich. Anschließend wurde eine Hochfrequenznadel mit Hilfe eines Ultraschallgerätes zum Nervus suprascapularis geführt. Dort wandten sie die gepulste Energiebehandlung an, wobei fünf Minuten lang eine Temperatur von 42 Grad erreicht wurde. Alle beteiligten Patienten vertrugen die Behandlung gut und gingen ohne Komplikationen nach Hause.

Mehr Vertrauen in gepulste Radiofrequenztherapie durch diese kleine Studie

Um die Wirksamkeit beurteilen zu können, wurden die Schmerzen und die Beweglichkeit der Schulter vor und nach der Behandlung gemessen. Die 16 Wochen Therapie mit den gepulsten Radiofrequenzen führte bei allen Patienten zu einer deutlichen Schmerzlinderung. Überdies trugen die Radiowellen dazu bei, die Flexibilität des Schultergelenks zu verbessern, die Beeinträchtigung der Schulter zu reduzieren und die Lebensqualität zu steigern. Insgesamt war die Behandlung eine positive Erfahrung für die Patienten.

Chronische Schmerzen ohne Besserung? Diese Behandlungsmethode könnte eine gute Option für Sie sein!

Auch wenn die Studie mit nur sechs Probanden recht klein war, haben die Ergebnisse trotzdem eine hohe Aussagekraft. Die Radiofrequenztherapie könnte eine sinnvolle Option für chronische Schlaganfallpatienten mit hemiplegischen Schulterschmerzen darstellen. Schmerzen können Ihre Lebensqualität enorm beeinträchtigen. Die Radiofrequenzbehandlung könnte ein neuer Weg sein, um chronischen Schlaganfallpatienten eine risikoarme Schmerzlinderung zu bieten. Es müssen jedoch noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die tatsächliche Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen dieses Therapieansatzes für Schlaganfallpatienten zu ermitteln. Wenn Sie aufgrund eines Schlaganfalls unter chronischen Schulterschmerzen leiden, ist es vielleicht an der Zeit, Ihren Arzt nach dieser Behandlungsmethode zu fragen.

Erstautor der Studie ist Alessandro Picelli, Neuromotor and Cognitive Rehabilitation Research Center, Institut für Neurowissenschaften, Biomedizin und Bewegungswissenschaften an der Universität Verona, Italien.

AUF EINEN BLICK:

Lesen Sie diesen Artikel, um etwas über die Möglichkeit der Radiofrequenztherapie bei chronischen Schulterschmerzen nach einem Schlaganfall zu erfahren.

Bewegung tut Ihnen gut, und selbst die Tatsache, einen Schlaganfall erlitten zu haben, ist keine Ausrede, sich nicht mehr zu bewegen! Ob der Schlaganfall vor einer Woche oder einem Jahr passiert ist, das Erfolgsrezept für eine bessere Gesundheit ist immer dasselbe: 20 bis 60 Minuten Ausdauersport, zum Beispiel Wandern oder Schwimmen, drei- bis fünfmal pro Woche. Dabei sollten Sie es nicht bei einem Spaziergang im Park bewenden lassen – es ist wichtig, dass Sie ins Schwitzen kommen und Ihren Puls nach oben treiben!

Wissenschaftlich belegter Nutzen

Der Nutzen von Bewegung für Schlaganfallpatienten ist wissenschaftlich belegt. Ein regelmäßiges „Workout“ kräftigt nicht nur Ihre Muskeln, sondern auch Ihr Herz. Durch stärkere Muskeln können Sie Ihr Leben selbständiger gestalten, und ein stärkeres Herz senkt das Risiko eines Herzinfarktes oder eines erneuten Schlaganfalls. Neuere Erkenntnisse deuten außerdem darauf hin, dass körperliche Betätigung die Gesundheit des Gehirns fördert, indem sie Erschöpfung entgegenwirkt, die Stimmung hebt und dafür sorgt, dass Sie geistig fit bleiben. Bewegung verbessert also Ihre Lebensqualität in allen Bereichen!

Die meisten Menschen sind sich der Vorteile eines körperlichen Trainings durchaus bewusst. Viele Patienten gehen direkt nach einem Schlaganfall pflichtbewusst ins Fitnessstudio. Doch wissen sie, dass sie das auch noch Monate und Jahre später tun sollten? Forscher aus Melbourne wollten herausfinden, wieviel Patienten Jahre nach ihrem Schlaganfall noch trainieren. Sie untersuchten die diesbezüglichen Gewohnheiten von Patienten im chronischen Stadium, die fünf bzw. zehn Jahre vor der Studie einen Schlaganfall erlitten hatten. Darüber hinaus untersuchten sie, welche Faktoren zu dem Ausmaß, in dem sich diese Patienten körperlich betätigten, beitrugen.

In einem persönlichen Gespräch ließen sie die Patienten einen Fragebogen ausfüllen. Die Studienteilnehmer gaben Auskunft über ihre Risikofaktoren und beantworteten Fragen zu ihrer körperlichen Aktivität. Insbesondere wollten die Forscher wissen, wie oft die Patienten mindestens 20 Minuten lang körperlich so intensiv trainieren, dass sie schwitzen und heftiger atmen.

Langzeit-Schlaganfallpatienten sollten mehr trainieren

Mehr als 500 Patienten, bei denen der Schlaganfall fünf Jahre zurücklag, beantworteten den Fragebogen, und knapp ein Fünftel dieser Patienten trainierte noch regelmäßig. Von den 300 Studienteilnehmern, bei denen der Schlaganfall zehn Jahre zurücklag, tat dies noch rund ein Viertel. Die Wahrscheinlichkeit, weiterhin aktiv zu sein, war bei denjenigen Patienten höher, die jünger waren, gehen konnten, nicht alleine lebten und über eine hohe Lebensqualität verfügten. Auch eine Trainingsberatung durch den Gesundheitsversorger sowie sportliche Betätigung vor dem Schlaganfall erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aktiv blieb. Nur zehn Prozent der Teilnehmer hatten während dieses chronischen Schlaganfallstadiums ein Training begonnen.

Wir vernachlässigen ein großes Geheimnis unserer Gesundheit!

Obwohl körperliche Aktivität einem erneuten Schlaganfall entgegenwirken und das allgemeine Wohlbefinden fördern kann, sind nur sehr wenige Patienten Jahre nach ihrem Schlaganfall noch aktiv. Es hat sich gezeigt, dass Menschen, die nach ihrem Schlaganfall die angestrebten Ziele bezüglich des Trainingsumfangs erreichen, ein erheblich geringeres Risiko für einen Folgeanfall innerhalb von drei Jahren aufweisen. Nur sehr wenige Patienten in der Studie erreichten das in Richtlinien empfohlene Ausmaß an Bewegung – von den 5-Jahres-Patienten waren es 13 %, von den 10-Jahres-Patienten 19 %.

Es ist Zeit, einen Zahn zuzulegen

Fehlende Bewegung stellt einen erheblichen Risikofaktor für einen erneuten Schlaganfall oder einen Herzinfarkt dar. Dieses Risiko ist sogar höher als das durch Bluthochdruck oder schlechte Cholesterinwerte. Regelmäßige Bewegung ist entscheidend, um Ihre Gesundheit zu erhalten und einem Folgeanfall vorzubeugen! Besprechen Sie mit Ihrem Arzt Ihre diesbezüglichen Gewohnheiten und fragen Sie ihn, ob Sie sich ausreichend bewegen. Es ist wichtig, dass das Bewegungsprogramm auf Sie abgestimmt ist, denn bei jedem Patienten sind die körperlichen Einschränkungen anders. Ihr Ziel sollte es sein, ein Fitnessniveau zu erreichen, bei dem Ihre Muskeln aktiviert und Ihr Herz gestärkt werden, ohne Ihnen zu schaden. Arbeiten Sie mit Ihrem Therapeuten ein Übungsprogramm aus, das Ihre Herzfrequenz erhöht, jedoch auch Ihre körperlichen Einschränkungen berücksichtigt.

Federführende Autorin der Studie ist Dawn Simpson, Menzies Institute of Medical Research, Universität von Tasmanien, Hobart, Australien.

AUF EINEN BLICK:

Regelmäßige Bewegung auch Jahre nach einem Schlaganfall ist zur Vorbeugung eines Folgeanfalls von entscheidender Bedeutung.

Falls Sie öfter bei Strokemark vorbeischauen, wissen Sie bereits etwas über virtuelle Realität (VR). Es geht dabei um interaktive Videospieltechnologie im virtuellen Raum, die einen sicheren und relativ günstigen Ansatz für das Arm-, Hand- und Gehirntraining nach einem Schlaganfall verspricht.

Wie es bei neuen Technologien häufig der Fall ist, tut sich auch im Bereich der VR sehr viel. Es gibt ständig Fortschritte. Aber das heißt auch, dass man noch nicht genau weiß, welche Aspekte der virtuellen Realität Schlaganfallpatienten am meisten zugutekommen. Wenn diese Wissenslücken gefüllt werden können und ein klareres Bild darüber entsteht, was bei der Reha in der virtuellen Realität am meisten bringt, können die Entwickler diese Technologie für Schlaganfallpatienten weiter optimieren.

Virtuelle Realität unter der Lupe

Wissenschaft und Kunst treffen bei der virtuellen Realität aufeinander. Daher reicht ein bisschen Spielespielen nicht aus, wenn man wissen möchte, was wirklich funktioniert – dazu ist Forschung notwendig. Das bedeutete in diesem Fall die Datenauswertung von 33 unabhängigen Studien mit über 900 Patienten. Der Schwerpunkt aller Studien lag auf der Nutzung von virtueller Realität im Arm-, Hand- und kognitiven Training. In 19 der Studien wurden speziell konzipierte Plattformen für virtuelle Realität verwendet, während in den 14 anderen Studien kommerzielle Computerspielsysteme zum Einsatz kamen.

Die Forscher fanden heraus, dass VR-Plattformen insgesamt einen zusätzlichen, nachhaltigen Nutzen für Schlaganfallpatienten im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren boten, und zwar sowohl im subakuten als auch im chronischen Stadium des Schlaganfalls. Dabei schnitten die speziell für die Schlaganfall-Reha entwickelten Plattformen besser ab als die Computerspielsysteme, die zu geringeren, aber dennoch merklichen Fortschritten führten.

Diese Studien zeigen uns also, dass dieser Ansatz funktioniert und, kombiniert mit konventioneller Therapie, zusätzlichen Nutzen bringt. Allerdings wurde auch deutlich, dass der Rehaprozess nicht von allen Systemen gleich gut unterstützt wird. Sprechen Sie deshalb mit ihrem Therapeuten über die für Sie beste Lösung, bevor Sie sich in die virtuelle Realität stürzen.

Die federführende Autorin der Studie ist Anna Aminov, School of Psychology, Faculty of Health Sciences, Australian Catholic University, Sydney, Australien.

AUF EINEN BLICK:

Der Einsatz von virtueller Realität in der Reha ist relativ neu und kann sich günstig darauf auswirken. Die Auswahl und Einrichtung eines passenden Systems sollte jedoch durch einen erfahrenen Therapeuten erfolgen.

Wenn Sie vor kurzem einen Schlaganfall erlitten haben, dann wissen Sie, wie wichtig es ist, aktiv zu bleiben. Wer Probleme mit der Armfunktion hat, muss mehr üben. Der einzige Weg zur Besserung ist das Training. Das ist aber manchmal leichter gesagt als getan.

Einen beeinträchtigten Arm zu trainieren, kann mitunter regelrecht entmutigend sein. Und der einzige Weg zur Besserung ist fleißiges Üben. Also, wie können wir uns selbst helfen, besser zu trainieren?

Mehr Training führt zu besserer Funktion

Ein erheblicher Teil des Erholungsprozesses nach einem Schlaganfall besteht darin, den betroffenen Arm wieder nutzen zu lernen. Ein Weg, diese Aufgabe anzugehen, ist das Tragen von Sensoren, die Ihre körperliche Aktivität überwachen, insbesondere Armsensoren, die die Anzahl und Intensität von Bewegungen aufzeichnen. Sie können auch registrieren, ob die Handlungen beabsichtigt waren oder nicht. Sensoren sind nicht perfekt und sie „überschätzen“ manchmal, wieviel Sie Ihren Arm tatsächlich nutzen. Doch es ist hilfreich, mit diesen Informationen die Aktivität mit der des nicht betroffenen Arms zu vergleichen.

Sensoren verhelfen Ihnen zu mehr Aktivität

Nun haben Forscher eine Möglichkeit ausgemacht, wie Schlaganfallpatienten durch das Tragen von Sensoren bei ihrer Reha unterstützt werden können. Sie schlagen vor, dass die Patienten je einen Sensor an dem betroffenen und an dem gesunden Arm tragen. Wenn das System erkennt, dass der Patient bevorzugt den gesunden Arm benutzt, vibriert es und zeigt auch einen optischen Warnhinweis an. Durch diese Hinweise werden die Patienten ermuntert, den betroffenen Arm zu benutzen. Dank dieser Sensoren kann die Therapie in das tägliche Leben integriert werden.

Statt die Trainingssitzungen auf festgelegte Zeiten zu beschränken, wird Ihr Training eher zu einem Lebensstil. Durch diese Sensoren wird jeder Augenblick zu einer Trainingsmöglichkeit. Doch was sollen wir mit all den Informationen dieser kleinen Geräte anstellen? Forscher haben nach einer Möglichkeit gesucht, dieses Problem zu lösen.

Eine Technik, die Ihre Leistungen überwacht

Naturgemäß haben die Wissenschaftler einen Algorithmus entwickelt, mit dem so viele Informationen gehandhabt werden können. Diesen Algorithmus haben sie sowohl Schlaganfallpatienten als auch Ergotherapeuten vorgestellt. Um die Wirksamkeit des Algorithmus zu überprüfen, nahmen sie 20 Schlaganfallpatienten und zum Vergleich zehn gesunde Probanden in eine Studie auf. Alle Teilnehmer wurden gebeten, Bewegungen auszuführen, wie sie bei alltäglichen Aktivitäten vorkommen. Dazu gehörten beispielsweise das Trinken aus einer Getränkedose, das Umdrehen eines Schlüssels in einem Schloss, das Aufnehmen und Wieder-Hinlegen eines Stiftes sowie das Hinauf- und Hinabsteigen einer Treppe. Das Ziel war es, festzustellen, ob der Algorithmus unterscheiden konnte, wann eine Bewegung beabsichtigt war und wann nicht.

Die Ergebnisse sehen bisher gut aus

Die Forscher bewiesen mit ihrem Algorithmus, dass die Sensoren absichtliche Bewegungen während alltäglicher Aktivitäten mit einer Genauigkeit von 87 % erkennen konnten. Außerdem konnten sie mit einer Genauigkeit von 84 % feststellen, ob ungewöhnliche oder fehlerhafte Bewegungen vorlagen.

Was halten nun die Leute davon? Eine aktuelle Umfrage fand heraus, dass 91,7 % aller Ergotherapeuten bereit wären, dieses System in ihrer klinischen Praxis zu nutzen. Eine andere Studie stellte fest, dass 88,2 % aller Schlaganfallpatienten das System nutzen würden, wenn ihr Therapeut es ihnen empfehlen würde.

Haben Sie Interesse, das Gerät für sich selbst anzuschaffen? Leider ist das Programm noch nicht auf dem Markt. Aber bleiben Sie dran, denn es wird mit größter Wahrscheinlichkeit sehr bald so weit sein!

Der federführende Autor der Studie war Sunghoon I. Lee, Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Harvard Medical School, Charlestown, Massachusetts.

AUF EINEN BLICK:

Feedback gebende Sensoren können für Schlaganfallpatienten alltägliche Aktivitäten zum Training machen.

Stellen Sie sich vor, Sie können nicht mehr sprechen. Ihre Kommunikationsfähigkeiten sind auf einzelne Wörter reduziert. Gestern noch konnten Sie tiefgründige Gespräche führen – und heute schaffen Sie es kaum, ein Wort auszusprechen. Dieses Leiden, bekannt als Aphasie, kann nach einem Schlaganfall auftreten, wenn der für Sprache zuständige Bereich des Gehirns betroffen ist. Dabei sind beim Sprechen nicht beide Seiten des Gehirns gleich: Die linke Hälfte kontrolliert die meisten Sprachfähigkeiten. Aber für einen Patienten erbrachte die Behandlung des gesamten Gehirns erstaunliche Ergebnisse.

Aphasie ist bekanntlich schwer zu behandeln, besonders bei Patienten, deren Schlaganfall länger als einen Monat zurückliegt. Aber im Fall eines 63-jährigen Mannes blieb das Fenster der Möglichkeiten länger offen. Durch die Nutzung einer Magnettechnologie gelang es, ihm fast eineinhalb Jahre nach seinem Schlaganfall einen Teil seiner Sprachfähigkeit zurückzugeben.

Der Mann, der seine Stimme verlor

Dieser Patient war ein serbischer Fernmeldetechniker, ein Rechtshänder. Bei ihm hatte der Schlaganfall die linke Seite des Gehirns schwer geschädigt, vor allem die weiße Substanz, die Signale weiterleitet. Die graue Substanz, in der sich die meisten Nervenzellen befinden, wurde größtenteils verschont.

Der Schaden war groß, er trug eine rechtsseitige Schwäche und eine schwere Aphasie davon. Der Mann konnte höchstens Ein-Wort-Sätze sprechen, und auch die Wörter durften nicht mehr als eine Silbe haben. Das heißt, viel mehr als „ja“ und „nein“ war nicht drin.

Er machte eine intensive Therapie und Rehabehandlung durch. Der Patient erlangte einen Großteil seiner Arm- und Beinfunktion auf der rechten Seite zurück, aber beim Sprechen half die Therapie kaum. Als er die Chance bekam, Teil der Magnettherapie-Studie zu werden, litt er bereits seit über einem Jahr an schwerer Aphasie.

War alle Hoffnung verloren?

Die Forscher waren der Ansicht, es gebe noch Hoffnung. Sie entschieden sich für die TMS: transkranielle Magnetstimulation. Diese Therapie verwendet starke Magnete, um von außen die Nervenzellen des Gehirns zu stimulieren. Es ist eine relativ neue Technologie, die aber bereits bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen eingesetzt wurde. Der Patient wurde sowohl links auch als rechts mit der TMS behandelt, wobei man sich besonders auf Bereiche konzentrierte, die mit Sprache zu tun haben.

Nach der Behandlung begann der Patient zu sprechen! Seine Sprachtests liefen immer besser, er machte Fortschritte hinsichtlich der Fähigkeit, Dinge zu benennen. Er konnte deutlich mehr Worte sprechen und auch Bitten besser verstehen. Das Wichtigste war: Nach und nach konnte er sinnvoller sprechen und besser Gespräche führen. Neben der Sprache verbesserten sich auch sein Gedächtnis und seine Lernfunktionen.

Niemals aufgeben!

Menschen, die lange Zeit mit den Einschränkungen aufgrund ihres Schlaganfalls gelebt haben, glauben häufig, dass es keine Hoffnung auf Besserung gäbe. Aber der geschilderte Fall zeigt, dass wir niemals aufgeben sollten! Dieser Patient erlebte eine deutliche Verbesserung seiner Sprachfähigkeit, nachdem er über ein Jahr lang an seiner Behinderung gelitten hatte.

Obwohl dies nur die Erfahrung eines einzelnen Patienten ist, sollten wir die TMS als eine mögliche Therapie zur Behandlung von Aphasie im Auge behalten. Das Team von Strokemark wird Sie weiterhin über die neuesten Forschungen zu TMS auf dem Laufenden halten.

 

Die Hauptautorin der Studie ist Jasmine Vuksanovic, Abteilung für Neurophysiologie, Institut für medizinische Forschung, Universität Belgrad, Serbien.

 

AUF EINEN BLICK:

Der vorliegende Fall zeigt uns, dass wir niemals aufgeben sollten!

Reha-Training muss sein, aber es fühlt sich oft wie eine lästige Pflicht an. Warum also nicht ein wenig mehr Unterhaltung in die Reha bringen – mit Videospielen? Virtuelle Realität (VR), die Videospiele und Übungen kombiniert, ist ein neuer Trend in der Schlaganfalltherapie. Die Patienten erhalten beim Training sichtbares Feedback und der Gesundungsprozess wird dadurch beschleunigt und verstärkt. Eine neue Studie zeigt, dass schon eine so simple Spielkonsole wie die Nintendo Wii Schlaganfallpatienten das Wiedererlangen ihres Gleichgewichts und ihrer Armfunktion erleichtern kann. Und angesichts der vielen Kinder, die förmlich an ihren Geräten kleben, kann man davon ausgehen, dass diese Therapieform sogar Spaß macht.

Eine gute Nachricht für Schlaganfallpatienten

Eine koreanische Studie zeigt, dass Schlaganfallpatienten mithilfe eines Kanu-Spiels auf der Konsole „Nintendo Wii Sports Resort“ ihren Gleichgewichtssinn und die Funktionstüchtigkeit der Arme stärken konnten. Die Forscher kreierten einen Paddelboot-Simulator, indem sie einen Stuhl auf ein gefedertes Brett montierten. Das erzeugte die gleichen schwankenden Bewegungen wie in einem echten Kanu. Bei dem Spiel simuliert der Patient das Paddeln nur auf einer Seite. Das stärkt den Arm und verbessert die Koordination. In der Studie wurden 30 Patienten untersucht, die in den sechs Monaten zuvor einen Schlaganfall erlitten hatten. Fünf Wochen lang nahm die eine Hälfte der Patienten dreimal wöchentlich an einem halbstündigen virtuellen Kanufahren teil, die andere Hälfte erhielt eine konventionelle Therapie.

Nach den fünf Wochen wurden beide Gruppen untersucht. Bei der Gruppe, die das Wii-Spiel gespielt hatte, hatten sich Haltung, Gleichgewicht und Armfunktion im Vergleich zu der Gruppe, die nicht an dem Spaß teilgenommen hatte, deutlich verbessert.

Wie komme ich an die Paddel-Reha?

Virtuelle Realität in der Reha erfreut sich zunehmender Beliebtheit, denn sie macht das Training interessanter. Vor allem aber erhält man eine unmittelbare Rückmeldung über die eigenen Fortschritte.

Überall im Land wird VR an Reha-Kliniken eingesetzt. Dort können Sie sich erkundigen, ob Kanu-Programme angeboten werden. Wenn nicht, können Sie es auch zu Hause probieren. Bei Ebay bekommen Sie ein Nintendo Wii Resort Sports Pack für knapp 10 Euro, die Konsole selbst für etwa 90 Euro, und das in der Studie verwendete Brett kostet um die 260 Euro. Das Ganze ist zwar nicht so elegant wie in der Rehaklinik, aber es ist ein guter Anfang, und Sie können gleich lospaddeln, um Ihr Ziel zu erreichen.

Das Strokemark-Team ist für Sie da. Wir erkunden ständig neue Methoden zur Verbesserung der Schlaganfall-Reha und werden Sie über die neuesten Entwicklungen in der virtuellen Realität auf dem Laufenden halten.

Federführender Autor dieser Studie ist Myung Mo Lee, Department of Physical Therapy, Daejeon University, Daejeon, Südkorea.

AUF EINEN BLICK:

Eine Reha muss nicht langweilig sein. Diese Studie zeigt, dass ein VR-Videospiel den Spielern echten Nutzen bringt.

Was Musik alles kann! Es genügt, ein Lied oder auch nur einen bestimmten Rhythmus zu hören, und schon fühlt man sich in längst vergessene Zeiten zurückversetzt. Wir bei Strokemark sind allerdings weniger an Nostalgie interessiert – wir richten unseren Blick entschlossen auf die Zukunft. Und in dieser Zukunft scheint für Patienten mit einem chronischen Schlaganfall Musik in der Reha eine immer größere Rolle zu spielen.

Für Rock ’n’ Roll ist es nie zu spät!

Der Ansatz, den wir hier vorstellen, heißt musikgestützte Therapie, music-supported therapy (MST) auf Englisch. Bei diesem Reha-Konzept soll das Musikmachen Fortschritte bei schlaganfallbedingten Behinderungen ermöglichen. Die Überlegenheit der MST gegenüber konventioneller Physiotherapie in der frühen Phase nach einem Schlaganfall ist bereits wissenschaftlich erwiesen. Aber welchen Wert hat diese Therapie bei Patienten, deren Schlaganfall schon Monate (oder gar Jahre) zurückliegt?

Das wollten Forscher von verschiedenen Instituten in den USA und Kanada herausfinden. Das Team untersuchte die Wirkung von MST auf die Kraftentwicklung und Beweglichkeit von Armen und Händen, auf die kognitiven Fähigkeiten und das allgemeine Wohlbefinden. Dabei wurde die Therapie bei Patienten mit chronischem Schlaganfall zusätzlich zur konventionellen Physiotherapie eingesetzt.

Hier spielt die Musik!

Für die Dauer von zehn Wochen nahmen 14 Patienten im Alter von 40 bis fast 80 Jahren wöchentlich an drei einstündigen MST-Sitzungen teil. Dabei standen ihnen verschiedene Trommeln und die entsprechenden Schlägel zur Verfügung. Mit ihrem Therapeuten veranstalteten sie Jam-Sessions, in denen es darum ging, wechselnde Rhythmen und Bewegungen zu erkunden. Eine zweite Gruppe umfasste 15 Patienten. Diese absolvierten Übungen, die schrittweise die Mobilisierung des Armes fördern – sehr viel angenehmer für die Nachbarschaft! Dabei wurden alltägliche Bewegungen – wie das Anheben einer Kaffeetasse oder das Binden eines Schals – geübt.

Es gab keine Hinweise darauf, dass die Fortschritte hinsichtlich der Beweglichkeitsverbesserung bei der MST-Gruppe größer waren als bei der Vergleichsgruppe, jedoch gab es in der Musik-Gruppe anders geartete Verbesserungen. Deren Teilnehmer schnitten hinsichtlich des Tempos ihrer Erholung sowie ihres Wohlbefindens (gemessen an der Geselligkeit und Kommunikationsfreudigkeit) besser ab. Interessanterweise hatte sich auch ihr Rhythmusgefühl verbessert.

Fragen Sie doch einfach Ihren Therapeuten, ob er nicht Lust auf eine gemeinsame Jam-Session hat. Für Sie könnte dabei mehr als nur gute Rhythmen herauskommen!

Federführender Autor dieser Studie ist Takako Fujioka, Center for Computer Research in Music and Acoustics, Department of Music, Stanford University, USA.

AUF EINEN BLICK:

Musizieren als Ergänzung zu Ihrer Physiotherapie trägt zu schnellerer Gesundung und gesteigertem Wohlbefinden bei.

Trends sind merkwürdig. Etwas kann eine Woche lang „in“ sein, und in der nächsten bereits wieder aus der Mode. Manche Trends sind zwar besonders aufregend, aber die mit tatsächlicher Substanz halten sich länger. Sollten Sie versuchen, dem neuesten Trend zu folgen, wenn es um die Schlaganfallreha geht? Ein Forscherteam aus Südkorea meint, ja – und zwar, wenn es sich dabei um aquatisches Laufbandtraining (ALT) handelt. Bei dieser aeroben Übung wird ein untergetauchtes Laufband zum Gehtraining eingesetzt.

Laufbandtraining im Wasser: Warum sich der Trend lohnt

Es begann als ein Trend, doch mittlerweile findet ALT in der Reha nach dem Schlaganfall mehr und mehr Beachtung. Die ersten Studien zu ALT konzentrierten sich auf seinen Nutzen zum Krafttraining bei gesunden Menschen. Dann kamen Patienten mit Übergewicht und Muskel-Skelett-Erkrankungen hinzu, und schließlich Schlaganfallpatienten. Die Logik hinter ALT nach Schlaganfall ist ganz einfach: Wasser sorgt für Auftrieb, dadurch wird das Sturzrisiko reduziert, sodass die Patienten bei höheren Geschwindigkeiten sicher trainieren können.

Während die Studien bis jetzt klein ausfallen, sind die Ergebnisse ermutigend. In einer Studie, die auf einem Programm von 15 Sitzungen à 20 Minuten über einen Zeitraum von drei Wochen basierte, berichteten 21 Patienten mit subakutem Schlaganfall über Verbesserungen ihrer Gehgeschwindigkeit, des Gleichgewichts und der Gehsicherheit. Eine zweite Studie, ebenfalls mit 21 Patienten, die sechs Wochen lang fünf 30-minütige Sitzungen pro Woche absolvierten, zeigte, dass sich die aerobe Höchstleistung und die Ausdauer beim Gehen im Vergleich zu regulärem Laufbandtraining erhöhte.

Wir raten Ihnen nicht unbedingt dazu, all Ihre Ersparnisse in einen Pool und ein Unterwasserlaufband zu investieren, aber ALT erscheint doch vielversprechend. Falls Sie also an einem Zentrum trainieren, das diese neuartige Form des Rehatrainings anbietet, lohnt es sich wahrscheinlich, ALT in Ihr Trainingsprogramm zu integrieren. Sprechen Sie diesbezüglich mit Ihrem Physiotherapeuten.

Die Hauptautoren der ursprünglichen Publikationen sind Dr. Han von der Abteilung für Rehabilitationsmedizin, Jeju National University Hospital, Jeju, Südkorea, und Dr. Lee von der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Inje University Haeundae Paik Hospital, Inje University College of Medicine, Busan, Südkorea. 

 

AUF EINEN BLICK:

Das Training auf einem Unterwasserlaufband kann eine gute und sichere Alternative zum normalen Laufbandtraining in der subakuten Phase nach dem Schlaganfall sein.

Fast unglaublich, aber dennoch wahr: Wir können unsere Gehirnströme tatsächlich trainieren und verändern. Möglich wird dies durch die Technik des „Neurofeedback”. Patienten sehen ihre Gehirnaktivität als Animation live auf einem Bildschirm und erhalten jedes Mal eine positive Rückmeldung, wenn sich die Aktivität erhöht. Für das Neurofeedback können verschiedene Messmethoden wie EEG (elektrische Aktivität des Gehirns) oder fMRT (Blutfluss des Gehirns) genutzt werden.

Kanadische Forscher haben in der wissenschaftlichen Literatur nach Belegen gesucht, dass EEG-Feedback bei der Genesung nach einem Schlaganfall hilft. In den meisten Studien fanden sie positive Ergebnisse, aber leider waren viele von ihnen nicht nach den strengen wissenschaftlichen Methoden erstellt worden. Insofern kann man sich nicht vollständig sicher sein, dass die heilsame Wirkung tatsächlich auf Neurofeedback zurückzuführen ist. Die meisten der untersuchten Patienten befanden sich jedoch in der chronischen Phase, also mehr als drei Monate nach ihrem Schlaganfall, weshalb es doch wahrscheinlich ist, dass die beobachteten Fortschritte nicht nur mit natürlichen Erholungsprozessen zusammenhängen.

Die am häufigsten beobachteten Behandlungserfolge waren Verbesserungen der Gedächtnisleistung, Stimmung, Konzentration und Motivation, erhöhte Energie sowie eine gesteigerte Lese- und Sprechfähigkeit. Die Patienten erhielten zwischen 8 und 69 Behandlungen, und die Zeit pro Sitzung betrug zwischen 12 und 43 Minuten. Neurofeedback kann allerdings auch Nebenwirkungen haben, und manche Patienten reagieren empfindlich auf zu lange Übungszeiten. Viele Patienten sind es auch nicht gewohnt, längere Zeit aufmerksam auf einen Computerbildschirm zu schauen.

Zertifizierung von Neurofeedback-Ärzten

Auch wenn EEG-Feedback seine Nützlichkeit bei diversen Krankheiten bereits gezeigt hat, sind die Ergebnisse bei Schlaganfallpatienten noch nicht genügend belegt. Die behandelnden Ärzte sollten sich mit EEG und den entsprechenden Behandlungsprotokollen gut auskennen, weil sie diese an die spezifischen Bedürfnisse und Gehirnmuster des jeweiligen Patienten anpassen und mögliche Nebenwirkungen im Auge behalten müssen. Immer mehr Therapeuten bieten jedoch Neurofeedback-Behandlungen auch ohne spezielle Zusatzausbildung oder Zertifizierung an. Deshalb empfehlen die Forscher, die Qualifikation des Therapeuten zu überprüfen. Die amerikanische Organisation BCIA (Biofeedback Certification International Alliance) bietet Kurse und internationale Zertifizierungen an, und auf www.bcia.org findet man lizenzierte Neurofeedback-Therapeuten.

Wenn Sie gerne Neurofeedback ausprobieren würden und Sie einen lizenzierten Therapeuten mit Erfahrung bei Schlaganfall und neurologischen Störungen finden, werden Sie möglicherweise von den Resultaten positiv überrascht sein.

Der Hauptautor dieser Publikation ist Dr. Renton vom Rehabilitation Sciences Institute an der Universität Toronto, 160-500 University Avenue, Toronto, Ontario, Kanada.

AUF EINEN BLICK:

Neurofeedback ist eine vielversprechende Methode zur Verbesserung der Hirnfunktion nach einem Schlaganfall. Die entsprechenden Therapeuten sollten zertifiziert sein, Gehirnkarten lesen und interpretieren können sowie Erfahrung in der Schlaganfallbehandlung haben.

Neben gesunder Ernährung und Bewegung gehören zu einem gesunden Leben auch andere Dinge, wie z. B. das Vermeiden von Alkohol und Nikotin, ein vernünftiges Gewicht und eine gute medizinische Versorgung. Menschen, die regelmäßig Sport treiben und viel Obst und Gemüse essen, leben tendenziell länger. Natürlich gilt das auch für Patienten nach einem Schlaganfall. Wie die Forschung gezeigt hat, kann regelmäßige Bewegung die Lebensqualität auch noch zehn Jahre nach dem ersten Schlaganfall erhöhen. Es steht außer Zweifel, dass eine gesunde Lebensweise nach einem Schlaganfall auf lange Sicht einen großen Unterschied machen kann. Sie verringert nicht nur das Risiko eines weiteren Schlaganfalls, sondern senkt auch das Sterberisiko und verbessert die Lebensqualität.

Leichter gesagt als getan …

Wir alle wissen in der Theorie, wie man gesund bleibt – aber es ist nicht immer leicht, dieses theoretische Wissen auch in die Tat umzusetzen. Das gilt besonders für Menschen, die durch ihre persönlichen oder finanziellen Umstände benachteiligt sind. Leider sind genau dies die Menschen mit dem höchsten Risiko, einen erneuten Schlaganfall zu erleiden, denn sie haben seltener Zugang zu gesunden Lebensmitteln, eine geringere Motivation zu einer gesunden Lebensweise sowie ein weniger ausgeprägtes Wissen über Gesundheitsthemen.

Mediziner haben erkannt, dass es notwendig ist, diesen Menschen bei der Verbesserung ihrer Gesundheit zu helfen, und zwar idealerweise durch Hilfe zur Selbsthilfe. Die Menschen sollen ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen, indem sie zunächst einmal lernen, was eine gesunde Lebensweise eigentlich heißt: Auf seine Ernährung achten, ins Fitnessstudio gehen oder einen Spaziergang machen, und natürlich alle verordneten Medikamente richtig einnehmen.

Forscher aus Los Angeles und New York haben ein Programm entwickelt, das Menschen helfen soll, sich um ihre Gesundheit zu kümmern. Dazu haben sie eine kurze Pilotstudie veröffentlicht und erklärt, warum das Programm den Menschen im Hinblick auf ihre Gesundheit helfen kann. Sie heben besonders auf die wichtigsten Aspekte einer gesunden Lebensweise ab, die die Sterblichkeit und das allgemeine Wohlbefinden nach einem Schlaganfall beeinträchtigen können. Dazu zählen Essgewohnheiten, Bewegung und Eigenfürsorge, oder auch Selbstreflexion, um sich zur Eigenfürsorge zu motivieren. Das beste Werkzeug, das Patienten auf ihrem Weg zur Erholung nutzen können, ist das Bewusstsein, wo sie in Bezug auf ihre Gesundheit stehen und welche Schritte sie für ein gesünderes Leben als nächstes unternehmen müssen.

Der Vorschlag

Das Programm sieht folgendermaßen aus: Neun Patienten nach einem Schlaganfall nehmen einmal pro Woche an einem zweistündigen Treffen teil, bei dem sie an ihren Kenntnissen und praktischen Fähigkeiten im Hinblick auf ihre Gesundheit arbeiten. Das Ziel des Programms ist es, diesen Patienten beizubringen, was sie selbst tun können, um ihre Risikofaktoren für einen weiteren Schlaganfall zu verringern. Die erste Woche ist zur Einführung gedacht, in der sie über ihre persönlichen Ziele reflektieren und lernen sollen, wie man Ernährungs- und Trainingsprotokolle führt. In den nächsten fünf Sitzungen treffen sie sich, um verschiedene Fertigkeiten zu erwerben, wie zum Beispiel die Zubereitung gesunder Mahlzeiten, das Ausarbeiten individueller Trainingspläne und die richtige Medikamenteneinnahme. Bei jedem Treffen ist auch Selbstreflexion angesagt, sodass die Teilnehmer an ihrer Motivation und ihren mentalen Blockaden auf dem Weg zu einer besseren Gesundheit arbeiten können. Am Ende der sechs Wochen kommt die Gruppe zusammen, um sich nochmals gegenseitig zu motivieren und ihren Programmabschluss mit einem gemeinsamen gesunden Essen zu feiern.

Der richtige Zeitpunkt ist jetzt …

Obwohl die Studie noch sehr neu ist und es noch wenige Ergebnisse dazu gibt, kann es sicher nicht schaden, gleich mit dem Programm anzufangen. Ein gesünderes Leben zu erlernen, hat absolut keine schädlichen Nebenwirkungen – warum also nicht gleich einige dieser Vorschläge aufgreifen? Selbst wenn es bei Ihnen vor Ort kein solches Programm gibt, können Sie Ihre Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten überdenken und verändern, damit Sie in der Zukunft davon profitieren. Essen Sie mehr Blattgemüse und Obst und vermeiden Sie Alkohol und Tabak, so gut Sie können. Versuchen Sie, sich mindestens 90 Minuten pro Woche körperlich zu betätigen, auch wenn es nur kurze, zehnminütige Bewegungen sind (z. B. Treppensteigen statt Aufzugfahren). Sollten Sie Beratung brauchen, scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt über Tipps und Tricks zu sprechen, wie Sie Ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen können.

Hauptautorin der Studie ist Dr. Valerie A. Hill von der Herman Ostrow School of Dentistry, T. H. Chan Division of Occupational Science and Occupational Therapy, University of Southern California in Los Angeles, Kalifornien.

 

AUF EINEN BLICK:

Schlaganfallpatienten über einen gesünderen Lebensstil aufzuklären und sie darin zu bestärken, kann ihnen helfen, ein längeres und besseres Leben zu führen.